Gutmenschen gegen Ausländerfeinde:

Beitrittsdiskurs mit Scheuklappen

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von dr. memo g. schachiner
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start: 19 sept 2005, up-date: 13 jan 2006
 
Nach einer sehr verbreiteten Meinung in meinem Bekanntenkreis sind die Menschen, die gegen den Beitritt der "Türken" in die EU sind, "Türken-" und oder "Islam- feindlich", und die dafür sind, sind hingegen "tolerant".
Allein die Bezeichnung "Türken" in diesem Kontext basiert auf den Rassentheorien des 19. Jahrhunderts und deren Erweiterungen in der TR (=Republik der Türkei): In der Türkei leben nicht nur "Türken" und auch der Staat "TR" ist mit dessen Bevölkerung nicht identisch.
 
Die EU- Interessen erfordern, dass die EU- PolitikerInnen sich endlich jenseits ihrer nationalpolitischen Berechnungen und ohne die "fremdenfeindlichen" und "gutmenschlichen" Scheuklappen mit der Realität in der Türkei auseinandersetzen.
 
Für eine/n EuropäerIn ist es durchaus möglich, politisch korrekt zu bleiben, und, sogar gerade dadurch, die Probleme, die mit einem Vollbeitritt der TR in die EU verknüpft sind, realistisch zu betrachten.
 
Im TR- Beitritt- Diskurs in den Medien und in Politikerstatements der EU laufen die Pro und Kontras auf einer Ebene, die die Ahnungslosigkeit über die Realität in der Türkei widerspiegelt. So bleiben die entscheidenden Informationen bezüglich des Türkei- Beitritts auch der Öffentlichkeit in der EU vorenthalten.
 
Es ist nicht verwunderlich: Denn die TR kapselte sich seit ihrer Gründung gegenüber dem Rest der Welt hermetisch -die Berührungspunkte durch Gastarbeiter und Tourismus verursachten keine kulturellen Dialoge- ab.
 
Für den Westen bedeutete die TR in erster Linie den militärischen Wachposten vor den Toren der Sowjetunion und so wurden das in der Türkei herrschende, Republik genannte totalitäre Regime und seine Untaten gerne übersehen. Mit Ausnahme weniger Fachleute ist die TR für die "normalen" EuropäerInnen heute noch immer ein Terra Incognita.
 
Ich bin in der Türkei als Angehöriger einer Minderheit geboren und aufgewachsen, vor 35 Jahren nach Österreich emigriert und beschäftige mich seit jeher mit der Türkei nicht nur als Wissenschafter, sondern auch wegen meines Engagements in Menschenrechtsfragen. Somit verfüge ich über "Fach"- und "Insider"- Kentnisse über dieses Land, die für die interessierten und verantwortungstragenden EuropäerInnen von Nutzen sein können.
 
Die Fortsetzung der Aufnahmeverhandlungen ohne eine ernsthafte Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit mit der TR-Realität gefährdet die Stabilität der EU im höchsten Maße:
 

Denn die TR bringt unermessliche -und im europäischen Diskurs kaum erwähnte- Probleme in die EU, die keinesfalls mit den Problemen der bisherigen Erweiterung zu vergleichen sind.